Der Himmel ist gruenDer Himmel ist grün. Was wir in den letzten Wochen, Monaten und Jahren erleben erscheint fast schon wie ein böser Traum aus dem man nicht erwacht. Die traditionellen Medien werden immer weniger ernst genommen und es scheint, dass die Wahrheit, das Hinterfragen oder das Diskutieren von Fakten keinen Wert mehr besitzt. Andererseits mischen sich immer mehr Menschen in die Diskussion der täglichen Probleme ein, die nicht bereit sind sich mit den Dingen, die sich kommentieren, konkret auseinanderzusetzten. Es werden Meinungen – oder besser Gefühle, da Meinungen ja bereits einen vorangegangenen Reflektionsprozess voraussetzen – weitergetragen, die keine Rücksicht darauf nehmen, ob sie auf harten Fakten fußen. Jeder ist in der Lage Informationen so weit als möglich zu verbreiten, doch fast niemand nimmt sich die Zeit, diese Informationen zuerst einer Überprüfung zu unterziehen. Ja und dann gibt es noch das Thema mit dem gekränkten Ego, das uns einander nicht mehr zuhören lässt. Und was hat das alles mit dem Klimawandel zu tun und wie kommen wir aus diesem Teufelskreis wieder heraus?

Es steigt die Unzufriedenheit der Menschen mit dem „System“ oder dem vermeintlichen „Establishment“. Eine aktuelle Reportage im Der Standard von Andreas Sator und Maria von Usslar vom 22.1.2017 unter dem Titel „Warum die Österreicher ihr Land den Bach hinuntergehen sehen“, macht genau das deutlich. Der Tenor: „eigentlich geht es uns gut, die Fakten sagen, die Sicherheit im Lande steigt, die Wirtschaft funktioniert gar nicht so schlecht, aber fühlen tun wir uns ganz anders“. Doch woher kommt dieser Frust?

Was stimmt ist, dass zurzeit „Sicherheit“ im Sinn von „Zukunftssicherheit“ oder „ich weiß was ich mir vom Leben erwarten kann“ nicht mehr gegeben ist. Das Gefühl, dass das, was ich erlernt habe, bald schon nichts mehr wert sein kann oder das, was ich mir aufgebaut habe, bald nichts mehr taugt, ist allgegenwärtig. Dazu trägt auch bei, dass wir heute jede noch so unbedeutende Information von der anderen Seite der Welt fast live erleben. Waren früher ferne Ereignisse oder Bedrohungen wirklich fern, vermischen sie sich heute mit den Ereignissen, die sich tatsächlich in unserer Nähe abspielen oder uns tatsächlich direkt betreffen. Dadurch entsteht das Gefühl, dass eigentlich ständig etwas Bedrohliches passiert und wir im globalen Dorf auch direkt davon betroffen sind.

Der Beitrag des Klimawandels zur allgemeinen Verunsicherung

Genau das bedient auch Donald Trump indem er zB den Klimawandel einfach negiert. Damit signalisiert er, dass mit ihm alles besser wird und die Apologeten des Untergangs im Unrecht sind und er alles im Griff hat. Bei ihm können sich die Menschen sicher fühlen, ihre Freiheit wieder erlagen oder nicht mehr bevormundet werden. Die ständige Präsenz der Bedrohung Klimawandel signalisiert uns nämlich, dass wir eigentlich nichts richtig machen und uns unaufhaltsam auf den Abgrund zu bewegen. Unter anderem durch die Allgegenwart des Schockers Klimawandel steigt auch das Unsicherheitsgefühl der Menschen. Denn nur wenn wir rasch alles und uns ändern können wir dem vielleicht noch entkommen. Doch die meisten Menschen wollen nicht einsehen, dass sie auch dafür verantwortlich sein könnten, leben sie doch ein einfaches Leben und können keinen großen Beitrag leisten und außerdem sind sie ja nicht schuld am Klimawandel.

Was ist die Lösung für unser globales Faktendilemma?

Wenn Sie sich jetzt eine Patentlösung erwarten, dann muss auch ich Sie enttäuschen. Ich kann an dieser Stelle nur skizzieren, was aus meiner Sicht die Gründe dafür sind, warum wir immer tiefer in den Sog des sogenannten Postfaktischen kommen. Ich möchte an dieser Stelle auch gleich erwähnen, dass ich in der Folge das biblische, harte und ehrliche Wort „Lüge“ wieder an die Stelle des Postfaktischen stellen werde. Denn entgegen besseren Wissens unwahre Behauptungen in den Raum zu stellen oder zu verbreiten ist nichts anderes als zu lügen.

Auch die ungeschminkte Wahrheit hat ihre Tücken

Wir sollten uns jetzt auch nicht der Illusion hingegeben, dass früher alles besser war und in den traditionellen Medien nur die Wahrheit regierte. Nein, aber! Es fehlen uns die Filter, die wir einst hatten. Meinung und Information strömt auf uns ungefiltert ein. Dem kann man entgegenhalten, dass wir heute ja die Informationen live und aus erster Hand erhalten. Doch ist das wirklich so? Die neuen Medien und Technologien haben auch ihre Tücken. So kann man Informationen, Bilder und Eindrücke vom Ort des Geschehens natürlich ungefiltert weitergeben und alle glauben, dass sie nun die ungeschminkte Wahrheit erfahren. Doch auch das ist grober Schwachsinn. Jeder kann heute schon mit seinem Handy Bildmaterial manipulieren und dazu braucht man nicht einmal spezielle Bildbearbeitungsprogramme. Es reicht allein schon die Perspektive so auszuwählen, dass sie der jeweiligen Sicht der Dinge entspricht. Als einfaches Beispiel können die allgegenwärtigen Fotos in sozialen Netzwerken dienen, auf denen Menschen unmögliche Dinge in der Hand halten, wie zB die Sonne oder den Eifelturm oder wo man Menschen auf steilen Felswänden klettern sieht, wobei sie eigentlich nur einen Meter über dem sicheren Boden stehen usw. Andererseits sind auch ungefilterte Meinungen und Sichtweisen von Ereignissen schon deshalb ein Problem, weil sie oft nur eine Seite der Wahrheit darstellen und je nachdem welche Meinung man gerade zuerst erhalten hat, wird die eigene Meinung in eine bestimmte Richtung beeinflusst. Somit ist nichts einfacher als sich seinen Traum oder seine Realität zu schaffen oder auch, wenn man das will, zu erlügen. Genau diesen Widerspruch sollen gute Medien und Nachrichtenvermittler aber aufheben und genau diesen Widerspruch verstärken Populisten zu ihren Gunsten und zugunsten Ihrer Nachrichtenblase. Aufgabe traditioneller Medien ist es das gesamte Bild darzustellen und fast im Sinne einer Mediation die unterschiedlichen Seiten und Sichtweisen zusammenzubringen. Daher sollten wir uns rasch überlegen, wie wir damit umgehen. Vielleicht kann ja eine Medienaufsichtsbehörde, die einem rechtsstaatlichen Verfahren folgt, hier einen Beitrag leisten. Ich bin mir natürlich bewusst, dass das rechtsstaatlich und grundrechtlich sehr problematisch sein kann, weshalb damit sehr sensibel und transparent umgehen müsste.

Wie gehen wir mit Informationen um?

Das alles wäre aber immer noch nicht so schlimm, wenn die Menschen bereit wären zu lernen, wie man mit ungefilterten Informationen umgeht oder sich auch traditioneller Medien bedienen um das Bild abzurunden. Doch das passiert leider immer weniger. Man bewegt sich immer mehr in seiner eigenen Welt und seinem eigenen Freundeskreis – und das gilt uneingeschränkt für alle Seiten – womit nur noch die eigene Sichtweise regiert und weiter verstärkt wird. Das führt auch immer weiter zu einer unaufhaltsamen Polarisierung zwischen den vermeintlichen „Eliten“ einerseits und den „einfachen Menschen“ andererseits. Auf der einen Seite wird dadurch den Eindruck verstärkt, dass die – und ich drücke mich hier bewusst pointiert aus – „Proleten“ einfach nicht verstehen wollen, worum es geht und auf der anderen Seite, dass die sogenannten „Eliten“ nur noch über angehobene Dinge reden, Probleme haben, die niemanden interessieren, sich aber nicht für die „echten“ Probleme und Sorgen der einfachen Menschen interessieren und ihnen dann auch noch mitteilen, was sie tun und lassen sollen. Sie also bevormunden.

Genau diese Stimmung wiederum wird auch von all den Popolisten dieser Welt aufgegriffen, instrumentalisiert und verstärkt. Und genau an diesem Punkt muss angesetzt werden um aus diesem circulus vitiosus wieder herauszukommen. Das beste Mittel ist – wie immer schon – das direkte Gespräch und das tatsächliche Ernstnehmen von Gefühlen und Meinungen. Dazu muss aber auch die politische Korrektheit und der Umgang damit hinterfragt werden. Man muss sich insbesondere fragen, ob damit nicht anderen Menschen auf den sprichwörtlichen Schlips getreten wird. Vielen stößt es einfach sauer auf, wenn sie sich ständig korrigiert fühlen und scheinbar aus Sicht der anderen nichts richtig machen. Das können auch Menschen sein, die in vielen Dingen Wunderbares leisten. Aber im Grunde hat sich seit Schultagen nichts wesentlich geändert. Wenn wir von unseren Mitschülerinnen und Mitschülern oder von unseren Lehrerinnen und Lehrern ständig korrigiert werden und nie irgendeine Art der Anerkennung erfahren, machen wir oft zu und schalten ebenso auf Widerstand.

Im Grunde geht es also um die Frage der gekränkten Eitelkeit oder des gekränkten Selbstbewusstseins. Wo sonst immer auf die richtigen Kommunikationsformen im Umgang mit anderen geachtet wird, werden diese im öffentlichen Diskurs meistens einfach vergessen. Kein Wunder also, wenn viele Menschen dann nicht so reagieren, wie wir es uns wünschen und am Ende jenen zulaufen, die ihnen das Gefühl geben, dass sie in Ordnung sind und eigentlich alles richtig machen. Und diese Menschen können dann sagen und behaupten was sie wollen, auch wenn sie lügen und sich ständig widersprechen. Somit ist am Ende der Himmel vielleicht wirklich grün.

Credits:

Danke auch für die Inspiration an Marina Weisband durch ihren Facebook-post vom 22. Jänner 2017 um 13:31 hinsichtlich des grünen Himmels: