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Auch ich war, wie unser Herr Verteidigungsminister Norbert Darabos, ein Zivildiener. Genauer gesagt ein Zivilersatzdiener und habe meinen damals noch 14-monatigen Dienst in Form eines Gedenkdienst im Ausland abgeleistet. Ich gebe zu, dass ich militärisch gesprochen ein echter Zivilist bin. Weder habe ich den Umgang mit Waffen gelernt, noch habe ich irgendeine Form von militärischer Grundausbildung absolviert. Jedoch habe ich dem Thema aus unterschiedlichen Gründen immer wieder erhöhtes Interesse (auch als ehemaliges Mitglied der Zivildienst Reformkommission) entgegengebracht, weshalb ich mich auch auf eine Äußerung dazu einlassen möchte und einen Diskussionsbeitrag leiste.

In einem Gastkommentar in Die Presse vom 13. August 2012 (Printausgabe S. 23), schreibt Gerhard Vogel, die Heeresreform muss zurück an den Start. Dem kann auch ich viel abgewinnen, da ich nicht sehe was das derzeitige Ziel der Reformen ist und welchen Nutzen uns ein solches, derart verändertes, Heer bringen wird. Ein reines Berufsheer kann jedenfalls kein Selbstzweck sein. Auch ich bin der Ansicht, dass sich in diesem Bereich einiges tun muss. Die Anforderungen an die klassische Landesverteidigung haben sich in den letzten Jahrzehnten radikal verändert. Ich bin aber der Ansicht, dass es nicht nur aus verfassungsrechtlichen Überlegungen heraus, ein klares Bekenntnis zur(umfassenden) Landesverteidigung geben muss. Dies gilt vor allem für die internationalen Herausforderungen, die sich uns stellen und denen sich auch Österreich nicht entziehen sollte. Im Sinne gelebter Solidarität mit den europäischen Partnern aber auch in unserem eigenen Interesse hat auch Österreich seinen Beitrag zu leisten die Welt sicher und vor allem friedlich zu machen. Dazu brauchen wir aber professionelles Personal. Dann gibt es noch die Anforderungen der österreichischen Bevölkerung und des Zivilschutzes, der ausreichend berücksichtigt werden muss. Und schließlich muss das alles professionell koordiniert werden.

Ich bin der Ansicht, dass jedermann und damit meine ich auch jede Frau, zumindest einmal in ihrem Leben die Erfahrung machen sollte, etwas für die Gemeinschaft zu leisten. Unsere Gesellschaft entsolidarisiert sich zusehends und jeder versucht nur mehr seine/ihre privaten Interessen zu verteidigen. Das zeigt sich nicht nur in der Politik, sondern auch in der Wirtschaft. Aus diesem Grund trete ich vehement dafür ein, dass wir wieder dahin zurückkommen Beteiligung zu fördern und auch zu fordern. Gleichzeitig möchte ich auch niemanden dazu verpflichten, sich für einen Dienst an der Waffe entscheiden zu müssen. Aus diesem Grund sollten wir uns überlegen, einerseits die klassische Landesverteidigung zu professionalisieren und andererseits die sogenannten „Freiwilligendienste“ zu forcieren. Das könnte vielleicht so aussehen, dass wir keinen Unterschied mehr zwischen Militär und Zivildienst machen. Alle werden zu einem Jahr Tätigkeit bei unterschiedlichen ankerkannten Trägern (wie z.B. die klassischen Zivildienstorganisationen) verpflichtet. Alle müssen in dieser Zeit eine verpflichtende mehrwöchige Zivilschutzausbildung absolvieren. Das Bundesheer wird in ein Berufs- und ein Milizheer mit unterschiedlichen, genau definierten Aufgaben, geteilt und der Dienst in beiden Einrichtungen würde ebenso als solcher Pflichtdienst anerkannt. Schließlich muss aber auch die Professionalität und die Qualität der einzelnen Träger garantiert und kontrolliert werden.

Ich denke ein solches Konzept wäre gleichheitspolitisch ausgewogen und würde der gesellschaftlichen Integration aller Bevölkerungsgruppen dienen. Alle würden davon profitieren, indem sie entweder die erbrachten Leistungen in Anspruch nehmen, genießen oder eine gute Ausbildung in einem der Tätigkeitsbereiche erhalten. Schließlich würde der Entsolidarisierung der Gesellschaft wirksam entgegengearbeitet.