Diese Seite verwendet Cookies. Für eine uneingeschränkte Nutzung der Webseite werden Cookies benötigt. Sie stimmen der Verwendung von Cookies durch Anklicken von "akzeptieren und zustimmen" zu. Nähere Informationen finden Sie in den AGB unter „Datenschutz“.

Unsere Parteistrategen scheinen es immer noch nicht erkennen zu wollen, dass die beste Kommunikationsstrategie in Krisen zumeist ein pro-aktiver, offener Umgang mit dem jeweiligen Thema ist. Je mehr man scheinbar zu verbergen hat, umso interessanter wird das, was möglicherweise dahinterstecken könnte. Nur dann ist ein Thema berichtenswert, nur dann kann man sich darüber indignieren. Sobald eine Sache restlos aufgeklärt ist, verlieren die Menschen das Interesse daran und empören sich vielleicht noch kurz darüber. Oftmals wird genau dann erkannt, dass ein bestimmter Fehler vielleicht sogar jedem hätte passieren können und dass gewisse Handlungen und Fehler einfach menschlich sind. Medien und Betroffene, sowie Wähler_innen schätzen Offenheit mehr als jede andere Strategie und haben tendenziell mehr Vertrauen zu Politiker_innen, die wirklich offen informieren.

Leider erinnert sich in der österreichischen Politik nur selten jemand an den berühmten Ausspruch von John F. Kennedy: „ask not what your country can do for you, ask what you can do for your country" [Antrittsrede, Washington D.C., 20 Jänner 1961]. Noch seltener wird dieser Satz auch ernst genommen, sonst würde so mancher Skandal der letzten Jahre gar nicht stattgefunden haben. Aber scheinbar ist es so, dass Aussitzen immer noch die geeignete Methode ist um Probleme zu bekämpfen, anstatt Fehler einzugestehen und Abläufe offen darzulegen und zu erklären und damit das Beste für das Land im Sinn zu haben. Damit in Zusammenhang steht natürlich auch, dass es in Österreich noch nie eine Rücktrittskultur gegeben hat. Ich denke zwar, dass es schon gewisse Toleranzgrenzen geben muss und nicht wegen jedem Fehler gleich Köpfe rollen müssen. Das bringt die Gesellschaft auch nicht weiter und lässt auch nicht zu, aus Fehlern zu lernen. Jedoch gibt es gewisse Toleranzgrenzen, deren Überschreiten auch zu Konsequenzen führen muss, im Sinne eines politischen Selbstreinigungsprozesses. Diese Grenzen sind sicher dort zu setzen, wo es um nachgewiesene, gerichtlich strafbare Handlungen geht, die ja schließlich auch einmal in einem politischen Prozess definiert wurden.

In diesem Sinne würde ich allen Parteien empfehlen, offen mit den gerade im parlamentarischen Untersuchungsausschuss aktuellen Themen umzugehen und diese ohne Einschränkungen zu diskutieren. Ein Herumlavieren wird von den Wähler_innen sicher nicht goutiert. Der Untersuchungsausschuss ist für alle denkbar ungeeignet, politisches Kleingeld zu wechseln. Bisher gibt es noch kein Indiz dafür, dass nur eine der beteiligten Parteien davon wirklich profitiert hat. Die Politik würde aber insgesamt gewinnen, wenn die Themen endlich anständig abgearbeitet würden.