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Widerstand, Verfolgung und Exil steirischer Künstlerinnen und Künstler 1933-1945, eine Ausstellung in der Neuen Galerie Graz zeigt die vergessene Grazer Moderne.

Seit 24. März hat eine etwas andere Kunstausstellung in der neuen Galerie Graz eröffnet. Neben der Kunst an sich steht hier vielmehr ein weiteres Thema zur Schau und auch zur Diskussion, wie das umfangreiche Begleitprogramm zeigt. "Moderne in dunkler Zeit" bedeutet vor allem die Auseinandersetzung von steirischen Künstlerinnen und Künstlern während des zweiten Weltkrieges mit dem Nationalsozialismus. Besonders beeindruckend wird in dieser künstlerisch und stilistisch sehr vielfältigen Ausstellung gezeigt, wie sich die unter dem Diktat der NS Kunstdefinition, wo zwischen sogenannter "entarteter" und dem Denken des Regimes entsprechender Kunst unterschieden wurde, diese dennoch entwickelte, in Opposition trat oder aber anpasste.

Zahlreiche Künstler wie untern anderen die Maler und Grafiker Wilhelm Thöny und Hans Fronius, die Tiermalerin Norbertine Bresslern-Roth oder der Architekt Herbert Eichholzer geben mit ihrem Werk einen beeindruckenden Einblick in das künstlerische Schaffen in der Steiermark während der NS Zeit. Die Ausstellung versteht sich nach den Initiatoren selbst als "Korrektur". Sie versucht ein Geschichtsbild zu korrigieren und auch die Kunstgeschichte selbst. Es wird die Bedeutung der steirischen Kunstszene für die "Moderne", deren Entwicklung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stattfand und zu der es scheinbar von steirischer Seite keine international anerkannten Beiträge gab, in einer überaus kompetenten und vollständigen Zusammenstellung, aufgezeigt. Erstmals wird versucht einen überblick über jene steirischen KünstlerInnen zu geben, die unter der Verfolgung zu leiden hatten oder in den Widerstand bzw. ins Exil gingen.

Besonders interessant ist dabei die verschiedenartige Auseinandersetzung der einzelnen Persönlichkeiten mit ihrer Zeit und ihrem politischen Umfeld. Die Auswirkungen der Diffamierung moderner Kunst als "entartet" und des politischen Druckes auf den künstlerischen Stil waren für die KünstlerInnen besonders folgenschwer. Wie Norbertine Bressler-Roth (Graz 1891-1978), die vor dem Krieg als Mitglied des "Woman International Art Club" eine weit über die Grenzen Österreichs bekannte Künstlerin mit zahlreichen Auszeichnungen und Preisen war. Im Jahr 1938 wurde sie aus rassistischen Gründen aus der "Vereinigung der Künstlerinnen Österreichs" ausgeschlossen, weil sie sich von ihrem Mann, der eine jüdische Mutter hatte, nicht trennen wollte. Obwohl sie einerseits in der NS-Zeit an sechs steirischen Ausstellungen teilnahm und sogar propagandistische Schulbuch-Illustration machte, können andererseits einige ihrer Tierbilder als Regimekritik in allegorischer Form gelesen werden. Sie gehörte also zu jenen Künstlern, die in der "verdeckten Malweise" eine besonders schwer nachzuweisende Form des kulturellen Widerstandes wählten, um auf ihre Unterdrücker zu reagieren.

Als besondere Ergänzung bietet die Ausstellung auch die Möglichkeit in einer besonderen Dokumentation in die Autobiographien der einzelnen Künstler Einsicht zu nehmen. Außerdem muss auch auf das breitgefächerte Begleitprogramm zur Ausstellung mit Diskussionen und Vorträgen hingewiesen werden. Nähere Informationen dazu finden sich auch auf der Homepage der neuen Galerie unter http://www.neuegalerie.at. Die Ausstellung dauert vom 24. März bis 30. Juni 2001 und ist Do-So 10-18 Uhr und Do 10-20 Uhr geöffnet.

Neue Galerie Graz
Am Landesmuseum Joanneum
Sackstraße 16, A-8010 Graz
Tel.: +43-316-829155
Fax.: +43-316-815401
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