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Wie oft wurde die Arbeiter_innen_bewegung schon todgesagt, doch sie bewegt sich trotzdem immer noch. Da wird behauptet, dass ihre Forderungen bereits erfüllt, oder gar übererfüllt sind. Da wird immer von „Arbeitern“ geredet, die doch alleine das Proletariat ausmachen würden (was ist eigentlich mit den Arbeiterinnen?). Doch selbst Klassiker unter den Forderungen der Bewegung, wie jene nach dem Acht-Stunden-Tag, sind auch heute nur scheinbar erfüllt oder werden ständig in Frage gestellt.

Dass sich Sozialdemokraten als die „Partei der Arbeit“ präsentieren, wird oft ins Lächerliche gezogen. Andere wiederum versuchen sich dieses Prädikat auf ihre Fahnen zu heften. Da viele der ursprünglichen Arbeiter_innen inzwischen in die Mittelschicht aufgestiegen sind und die Sozialdemokratie sich auch an deren Fragen orientiert, glauben viele, dass ihre Interessen nicht mehr jenen der Arbeiter_innen_bewegung zuzuordnen sind. Die Worte „Klassenkampf“ und „Arbeiterbewegung“ werden einer anderen Zeit zugeordnet.

 

Dass die Realität eine andere ist, weiß ein jeder, der sich mit den aktuellen Fragen der Arbeitsmarktpolitik, der Armutsbekämpfung und der damit in Zusammenhang stehenden Bildungspolitik beschäftigt oder der selbst in irgendeiner Form in der Arbeitswelt tätig ist. Auch wenn sich die Fragen und Probleme von Arbeiter_innen und Angestellten oder den sogenannten neuen Selbständigen scheinbar unterscheiden, im Grunde sind es doch dieselben Probleme vor denen sie (wir) stehen. Die Forderung nach einer Acht-Stunden-Woche mag für manchen ein Anachronismus sein. In die heutige Zeit transferiert kann sie aber bedeuten, dass auch Angestellte nicht in All-In-Verträge mit hohen oder unbegrenzten Überstundenpauschalen gedrängt werden dürfen. Oder, dass Arbeitnehmer_innen_schutzvorschriften auch für neue scheinbar Selbständige eine große Bedeutung haben um nicht schamlos ausgebeutet zu werden und um sozial abgesichert zu sein. Arbeit, von der man auch Leben kann und Wohnungen, die man sich leisten kann sind gerade heute für viele wieder keine Selbstverständlichkeit. Die Betroffenen sind zwar keine Arbeiter in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes, meistens leben sie auch nicht in den prekären Verhältnissen, wie ihre Vorfahren, sie gehören aber dennoch demselben Personenkreis an, der vor hundert Jahren mit der "Arbeiterklasse" gemeint war. Sie sind diejenigen, die durch ihre Arbeit Werte schöpfen. Sie sind auch diejenigen, die den Reichtum einiger weniger erst möglich machen.

Die Forderung der Arbeiter_innen_bewegung war auch nie anhand bestimmter Punkte abzuhaken. Die eigentliche Forderung war jene, dass die vorhandenen Ressourcen, Aufgaben und Chancen gerecht verteilt werden und dass jeder und jede seinen/ihren gerechten Anteil am gemeinsam erwirtschafteten Ergebnis erhält um ein gutes, selbstbestimmtes, gesundes und zufriedenes Leben führen zu können.

Es ist richtig, was in der Presse vom 30. April 2013 steht, dass „prekäre Arbeitsverhältnisse heute nicht mehr nur die soziale Unterschicht betreffen, sondern auch den gebildeten Mittelstand. Und, dass laut dem Sozialbericht (2011- 2012) zehn Prozent der österreichischen Bevölkerung trotz Erwerbseinkommens armutsgefährdet sind (das Phänomen der „Working Poor"). Auch die Nachteile von Menschen mit Migrationshintergrund sind evident. Ja und auch die Bildungsdebatte wird dort zitiert und aufgezeigt, dass es heute wie auch schon vor Jahrzehnten ist keine Selbstverständlichkeit, dass ein „Arbeiterkind“ eine höhere Schule besucht. Die Forderung nach Bildung als Ausfluss der Forderung nach Chancengleichheit war ja immer ein zentrales Anliegen der Arbeiter_innen_bewegung. Und gerade diese Forderung ist heute aktueller denn je.

Aus diesen Gründen ist es auch wichtig, dass den ersten Mai als Feiertag gibt und dass dieser in entsprechender Form begangen wird, damit die arbeitende Bevölkerung Gelegenheit hat darüber nachzudenken, wo sie mit ihren Interessen beheimatet ist und dass die Arbeiter_innen_bewegung der heutigen Zeit auch Angestellte (ja sogar höhere Angestellte), freie Dienstnehmer_innen, Student_innen, Teilzeitarbeitskräfte, Alleinerzieher_innen, Leiharbeiter_innen oder neue Selbständige umfasst.

Daher ist der erste Mai nach wie vor jung wie 1890, als der erste „Spaziergang“ der Arbeiter im Wiener Prater stattfand.